Auf zum Containern…

20160610-FS_20160610_84531Am Samerberg wird ein Container für Kindergartenkinder direkt im Garten des jetzigen – zu kleinen – Kindergartens aufgestellt.

Und als ob dies allein nicht schon genug Blamage bedeutet, die Entscheidung dafür wurde zwei mal revidiert. Aber jetzt ist es wohl endgültig beschlossen – trotz 10.000 € Mehrkosten im Jahr. Nun denn! Insgesamt war dies die beste von allen schlechten Lösungen, die auf die Schnelle gefunden werden musste. Allerdings kam die letztgültige Entscheidung auf einer Sondersitzung des Gemeinderates zustande; nach einer massiven Intervention der Betroffenen.

Der gesamte Vorgang offenbart zwei gravierende Schwächen: Einmal ist es die wenig vorausschauende Weise, in der große Bauvorhaben von der Gemeinde angegangen, geplant und entschieden werden. So passiert es, dass der Jugendtreff in Grainbach praktisch über Nacht baufällig wird und von jetzt auf gleich eine Übergangslösung in der neugebauten Kita gesucht werden musste.

Offenbar ist es auch nicht ungewöhnlich, dass direkt am Schwimmbad ein Kisok (30 Meter weiter existiert bereits einer) gebaut und erst danach ein Geschäftsmodell und Pächter gesucht wird.

StatistikDabei ist die Bevölkerungs-entwicklung einer Gemeinde sicherlich nicht sonderlich schwer abzuschätzen – vorausgesetzt, man investiert ein wenig Mühe oder fragt Leute, die etwas davon verstehen. Das Bayerische Landesamt für Statistik etwa, sagt für 2028 mehr als 40 Prozent mehr Kinder voraus!

Aber auch ohne Statistik – wer beim letzten Kindergartenfest dabei war, konnte allein da sechs schwangere Frauen zählen.

Im letzten Wahlkampf war häufig von “Ideologiefreiheit” die Rede. Und wahrscheinlich liegt genau hier das Problem, denn allzu oft steht dieser Terminus für keine Vision, keine Strategie und keine Idee. Wie wäre es stattdessen wieder mit etwas mehr Ideologie? Etwa mit der Ideologie der Nachhaltigkeit? Mit der Ideologie vom Dienst an der Gemeinschaft? Oder auch nur mit der simplen Ideologie der Sekundärtugenden?

Was fassungslos macht, ist zudem die Tatsache, dass man versucht die Schuld für die Fehlplanung den wenigen Flüchtlingskindern zuzuschieben.

Ja und dann der Entscheidungsprozess: Demokratisch legitimiert, klar! Dienst nach Vorschrift – kein Problem, haben wir schon immer so gemacht… Aber dennoch wirkt das Prozedere merkwürdig aus der Zeit gefallen: Auf der einen Seite die betroffenen Eltern, die Kinder und ErzieherInnen und auf der anderen Seite ein kleiner Kreis Entscheidungsträger. Die Asymmetrie ist förmlich mit Händen greifbar.

Und generell gilt für alle demokratischen Entscheidungsprozesse: Die eigentliche Entscheidung ist nur der letzte Schritt. Entscheidender sind die erarbeiteten Alternativen und die Willensbildung. Und dafür bedarf es Fantasie, Sorgfalt, Kommunikation und Transparenz. Und genau dafür gibt es inzwischen mehr als einen unbeleuchteten Aushängekasten beim Bäcker und Petitionslisten am physisch-schwarzem Brett im Kindergarten! Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die große Frage: Wie geht es weiter? Wird man dieses Disaster nutzen, um umzudenken? Welche zukunftsfähige Lösung wird für den Kindergarten gefunden? In absehbarer Zeit wird auch die relativ neue Grundschule zu klein sein. Wie wäre es mit einer breiten Debatte im VORFELD? Es gibt inzwischen wunderbare Konzepte mit flexibel nutzbaren Schulgebäuden. Wird ein harmonisches Gesamtensemble geschaffen? Wird es einen Wettbewerb der Ideen geben? Oder auch nur eine Ausschreibung für die Architektur?

Franz Fühmann sagte einmal: Was nottut, ist die maximale Entfesselung der Fantasie!

Andererseits – in zwei, drei Jahren, wenn die Schule zu klein wird, wird bestimmt nach einer Ad-hoc-Lösung für den Kindergarten der Container nicht mehr gebraucht – den könnte man dann für die Schule hernehmen.

Die Samerberger Künstler brechen auf…

2016-07-10 Aufbruchund zwar ab diesen Freitag, den 24.6.2016

Den Auftakt bildet eine Vernissage ebfalls am Freitag ab 19:00 Uhr im ehemaligen Kuhstall an der Linde in Grainbach.

Es lohnt sich.

 

 

 

 

Die Energieblende

FS_20160103_75376Das Bauerntheaterstück des Trachtenvereins wird heute Abend noch einmal zusätzlich aufgeführt. Also es ist die letzte Möglichkeit das Stück zu sehen.

Klar geht es wieder gegen die Münchner Regierung. Und ja – ein “Mitbürger afrikanischer Herkunft” sorgt für ein Huch – Erschrecken der Stammtischgäste im Biergarten und das wirkt wie eine matte Reminiszenz an die 70er Jahre, als dieser Gag wirklich noch ein Gag war. Aber es klingt auch die Unsicherheit mit, die die politische Korrektheit nicht nur  bei Muttersprachlern auslöst – und dies wiederum ist wirklich lustig.

Und ja – im ersten Akt kommt die Geschichte nur sehr schwerfällig in die Schnurre. Dieser Teil wirkt merkwürdig abgetrennt, wie später in das Stück eingefügt, um einige aktuell politische Ereignisse zu reflektieren. Aber das ist ja auch gut so.

Und ja – die Dramaturgie verheddert sich zwischen dem zufälligen Belauschen der Korruptionspläne und dem Engagement einer grünen Gemeinderätin. Da wollte der Autor wohl auf Nummer sicher gehen. Am Ende bringt keines von beiden die Geschichte so recht voran.

Und ja, wenn man so will, kann man eine flapsige Kritik an der katastrophalen Informationspolitik in unserer Gemeinde heraushören. Vielleicht sogar auch daran, dass in Punkto Energiewende von der Gemeinde noch gar nichts angeschoben wurde.

Muss man aber nicht. Man kann sich auch einfach nur unterhalten lassen und die bekannten Gesichter in den Rollen bestaunen, die übrigens durchweg auf hohem Niveau spielen.

Und das Puplikum ist von Anfang an mit Begeisterung dabei! Viele sind so hingerissen, dass sie tatsächlich bei der gespielten Abstimmung mitvotieren. Also: Hingehen – kann man nichts falsch machen, wie Christoph Sieber sagt.

Komödienstadl

Die Süddeutsche brachte am Wochenende einen Artikel, der hilft, den Samerberg in Bayern wieder ins  Gespräch zu bringen:

“Josef Höß aus Samerberg hat es amtlich: Er ist Bauer. Und als Bauer braucht er keine Baugenehmigung, wenn er einen Stadl auf seine Wiese stellen will. Also hat er einen hingebaut, allerdings nicht aus Holz, sondern aus Beton. Den soll er nun wieder wegreißen – und wehrt sich.”SZ_13_12_2015_Stadel-1

 

Heuer-Preis geht and die Samerberg-Zeitung

Die Freude am Samerberg ist ungeheuer: Der Heuer-Preis geht heuer an den Samerberg-Teil der Rohrdorf-Samerberg-Zeitung.
Dieser Preis ist heuer das erste Mal unter den Gemeindezeitungen ausgelobt worden. Dabei geht es, wie der Name schon sagt, darum, möglichst oft den Begriff “heuer” zu verwenden. Und noch vor der aktuellen Dezemberausgabe steht der Sieger fest. Denn mit dem Novemberheft hatte sich der Samerberg uneinholbar den Spitzenplatz gesichert.
Entscheidend waren letztlich zwei Artikel in der Novemberausgabe:
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Der Preis wird den Machern der Zeitung noch heuer in den Räumen des Kultusministeriums von Herrn Anno Heuer bei einem – wie könnte es anders sein – Heurigen übergeben.

Begeistert über das mediale Echo wurde von informierten Kreisen versichert, dass im nächsten Jahr – also das Jahr nach heuer – die Preiskategorien ausgedehnt werden. U.a. soll auch der längste Schachtelsatz (Sonderpunkte gibt es, wenn der Satz anders endet als er begonnen hat) und der längste Artikel mit dem geringsten Informationsgehalt prämiert werden. Es bleibt also spannend.

Ach ja – das Samerberger Naturbad

FS_20151004_70812Wenn das Wetter gut ist im Sommer, dann kommen sehr viele Badegäste.

Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn eigentlich müsste das Bad schon wieder saniert werden.

Die Filteranlage funktioniert offensichtlich nicht richtig, das Wasser sieht entsprechend FS_20150517_65049unappetitlich aus. Andererseits ist es fast rührend zu sehen, dass die Gemeinde regelmäßig Wasserproben analysieren lässt und die perfekten Ergebnisse veröffentlicht – das tröstet über vieles hinweg.

Überhaupt scheint die gesamte Filteranlage eine Fehlkonstruktion zu sein, denn sie musste schon provisorisch mit Plastik und Steinen abgedichtet werden. Der Bodenbelag des Beckens löst sich und wirft zur Freude oder Erschrecken der Kinder Blasen.

 

Trotz allem kommen, wie gesagt, die Gäste und drängen sich auf der kleinen Liegewiese. Bei Bella gibt es Eis und Pommes und wer mal muss, kann auch zu den Toiletten gehen. Was um alles in der Welt hat, wen auch immer, dazu bewogen, einen großen Teil der Liegewiese zuzubetonieren, um Toiletten und einen Eis- und Pommes-Stand zu installieren? WARUM? Um drängelnden Kindern die 20 Meter zum Eisholen bei Bella zu ersparen?

FS_20150517_66449Oder weil die Toiletten im Moorbadstüberl nicht zumutbar sind, wie schon mal kolportiert wird – meist von Leuten, die diese Toiletten noch nie von innen gesehen haben. Also diese Toiletten sind nicht auf Adlon-Niveau – im Hintergrund spielt nicht Vivaldi oder so – aber sie sind für Gaststätte und Schwimmbad völlig ausreichend. Und abgesehen davon, auch diese Anlagen gehören der Gemeinde.

 

Interessant wäre zu erfahren, ob jemand die Wirtschaftlichkeit (den Business Case) durchgerechnet hat. Und was ist der Plan? Gibt es einen Plan? Und… immer wieder gern gefragt: Würde die Entscheidung beibehalten, wenn es das Geld der Entscheidungsträger wäre und nicht das Geld von allen?

Aber eine kleine weitergehende Spekulation über den Sinn dieser, gar nicht mal kleinen Investition, sollte erlaubt sein: Im Wahlprogramm der ÜPW (es ist allerdings kein Wahlprogramm, sondern eine kleine, allgemeine Liste für sechs Jahre) steht ein einziger konkreter, nachprüfbarer Punkt mit schlechter Grammatik: “… eine Verbesserung vom Kiosk und den sanitären Anlagen am Naturbad haben Priorität”. – Priorität vor Vernunft und Wirktschaftlichkeit?

Ja und die Partei in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Die schönen deutschen Euros:

 

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Unabhängig davon schrieb Frank Schirrmacher – einer der völlig unverdächtigt war, linken Gedankengut anzuhängen – über den griechischen Weg:

Die Demokratie ist Ramsch

Wer das Volk befragt, wird zur Bedrohung Europas. Das ist die Botschaft der Märkte und seit vierundzwanzig Stunden auch der Politik. Wir erleben den Kursstutz des Republikanischen.

Geschrieben hat Schirrmacher es 2011 – damals wollte Papandreous ein Referendum abhalten.

Freitag, Axel Hacke, Käser Alm

FS_20150619_67680Am Freitag kam Axel Hacke auf die Käser Alm, um aus seinen gesammelten Kolumnen vorzulesen.

Eingeladen hatte Kulturenevents vom Samerberg.

 

… ja Axel Hacke. Am Freitag war er nicht nur Kolumnist, sondern auch ein charmanter Comedian. Wer nur seine Kurzprosa kennt, hätte ihm vielleicht gar nicht zugetraut, dass nicht nur der stille kleine Scherz mit längerem Anlauf sein Metier ist, sondern dass er auch für echte Schenkelklopfer zu haben ist – dann klingt er fast so wie Mario Barth, wenn dieser studiert hätte. Wenn er z.B. als “Behalter” seine alte, olivegrüne Bundeswehrunterwäsche gegen den Wegwerfwillen seiner Frau verteidigt und dann darüber sinniert, dass der Zweck der grünen Farbe darin liegen könnte, dass der Soldat auch dann noch eine funktionierende Tarnung hat, wenn der Russe ihm schon die Uniform weggeschossen hat.

So wird wie bei jedem Comedian das Kleine sehr groß. Aber bei den wirklich guten wird das Große eben auch sehr klein. Nicht so bei Herrn Hacke. Das wirklich Große kommt bei ihm nicht einmal vor.

Und so war es auch ein wenig enttäuschend, als er nach seiner etwas umständlichen Ankündigung, jetzt auch mal politisch zu werden, nur eine, wenn auch gelungende, syntaktische Analyse der Stoiberschen “ähs” vorlas.

So sind denn seine Geschichten und Geschichtchen erfrischend wie ein Glas Prosecco, schöne Unterhaltung, aber, .. äh…, worum ging es noch mal?

Das letzte Rundschreiben vom Papst

EnzyklikaGestern hat Papst Franziskus seine Enzyklika “Über die Sorge für das gemeinsame Haus” veröffentlicht.

Sicherlich steht im Einzelnen kaum etwas in diesem lange erwarteten Text, was ein halbwegs alphabetisierter Mitteleuropäer nicht schon wüsste oder an einem freien Wochenende durch unabgelenktes Nachdenken herausfinden könnte.

Etwa dass es in einer begrenzten Welt kein unaufhörliches Wirtschafts- und Konsumwachstum geben kann. Schon Benedikt hat aufgefordert, die Wachstumsmodelle zu korrigieren, die allem Anschein nach ungeeignet sind, den Respekt vor der Umwelt […] zu garantieren.

Gefruchtet hat diese Aufforderung nicht – nahezu alle politisch verantwortlichn Kräfte haben den Wachstumsfetisch fest in ihren Programmen verankert.

Franziskus beschreibt in seltener Klarheit die Verbindung der Umweltproblematik mit den sozialen Auswirkungen die letztlich durch ein ungerechtes Wirtschaftssystem hervorgerufen werden: wie es möglich ist, den Aufbau einer besseren Zukunft anzustreben, ohne an die Umweltkrise und an die Leiden der Ausgeschlossenen zu denken.

Und weiter zu den Ursachen: Der Erdboden der Armen im Süden ist fruchtbar und wenig umweltgeschädigt, doch in den Besitz dieser Güter und Ressourcen zu gelangen, um ihre Lebensbedürfnisse zu befriedigen, ist ihnen verwehrt durch ein strukturell perverses System von kommerziellen Beziehungen und Eigentumsverhältnissen.

PV-Analge im VatikanAuf über hundert Seiten spricht er die wichtigsten Themen für die weltumspannende Verantwortung und die direkte Verbindung des Glaubens mit der Bewahrung der Schöpfung an – ein großer Mann dieser Franziskus!

->Enzyklika Laudato Si’

Aber wie üblich gibt es auch Stimmen, die diese Enzyklika als “Ökoschreiben” oder “ökologisches Manifest” verhohnepipeln. Daniel Deckers in der FAZ versteigt sich gar in der Behauptung Franziskus betreibt “unterkomplexe Analysen” und kommt mit abgestandener Polemik mit den üblichen Verurteilungen aller möglichen Ismen daher – von Anthropozentrismus über Konsumismus bis Hedonismus…   Ja wirklich zu dumm, dass dem Papst da nicht was neues einfällt, damit sich Herr Deckers nicht langweilt.

Aussage des Monats

Nicht der Mensch muss zukunftsfähig, sondern die Zukunft muss menschenfähig werden.

Heribert Prantl von der Süddeutschen in einen bemerkenswerten Artikel.

Wir müssen flexibler werden, wir müssen wettbewerbsfähig werden (zur Zeit trifft man häufig die Formulierung “wettbewerbsfähig bleiben” an), wir brauchen Wachstum und dergleichen mehr.

Aber der gesellschaftliche Diskurs über die Gestaltung der Zukunft, die Entwicklung von Visionen scheint völlig zum Erliegen gekommen.

 

Rock am Berg

Gestern kam innerhalb der Samerberger Festwoche die Rock- und Party-Band “Born wild”.

Offensichtlich wollten die Jungs schon im Namen andeuten, dass sie keinesweges geboren wurden, um wild zu werden, sondern sie kamen schon so auf die Welt – hm… Mit dabei drei Mädels, die sich Brass ‘n Babes nennen. Alles ziemlich junge Typen, die zunächst erst einmal einen gar nicht so wilden Eindruck machen. Musikalisch bieten sie nachgespielte Rockmusik, eine Cover-Band eben.

Also wer auch immer die Idee hatte, diese Band an den Samerberg zu holen – dieser oder diese jemand hatte ein gutes Händchen. Die Bühnenshow war sehr aufwändig, frisch und natürlich auch wild – ein bisschen zumindest.

Schön auch zu sehen, dass jeder auf seine Weise virtuos sein und auch mindestens ein anderes Instrument beherrscht. Und so stand jeder mal ganz vorn – kein Zweifel diese Leute müssen sich auch privat gut verstehen.

Und die Band bot beste Unterhaltung und wirklich gute Musik – herzlichen Dank!

 

Kammerkonzert im Stall

Gestern veranstalteten Hedwig und Michael Roggendorf in Grainbach ein Kammerkonzert im ehemaligen Oberwagner Kuhstall.

Silvia Natiello-Spiller und Antonio Spiller interpretierten Stücke von Mozart, Beethoven, Lutoslawski und Brahms. Und die Begeisterung im Puplikum war einhellig.

Nebenbei gesagt, war die Akustik sehr viel besser, als man das von dem Raum erwarten würde.

Es bleibt zu hoffen, dass dieses Konzert der Auftakt für eine ganze Reihe sein wird.

 

Die Chlorung des Trinkwassers am Samerberg…

FS_20150426_63549Die Chlorung des Trinkwassers am Samerberg kann nach einem dreiviertel Jahr endlich aufgehoben werden.

Die Informationspolitik der Gemeinde in diesem und auch anderen Zusammenhängen ist mehr als verbesserungswürdig.

An dieser Stelle gilt der besondere Dank dem Gesundheitsamt Rosenheim, das eine klare Linie im Interesse der Verbraucher gefahren und die richtigen Schutzmaßnahmen eingefordert hat.

Im Übrigen müssen weiterhin zwei mal pro Woche an den Samerberger Trinkwasserbrunnen entsprechende Messungen vorgenommen werden.

So manche Stadt oder Gemeinde….

So manche Stadt oder Gemeinde, wenn sie reich genug ist, leistet sich ein Kunstmuseum. Und manche, wenn sie mutig genug sind, leisten sich ein architektonisches Zitat aus einer anderen Stadt, damit etwas Glanz davon in die Heimat geholt wird. Und dann gibt es wiederum welche, die sehr geschichtsbewusst sind und die lassen z.B. einen Bunker vom letzten großen Krieg bewusst stehen, damit die Erinnerung bleibt.

Aber es gibt sicherlich nur ganz wenige Gemeinden, die sich alles auf einmal leisten können und zwar in einem einzigen Bauwerk:

FS_20150506_63832Der Betonbau am Obereck erinnert sehr an eine Ausstellungshalle – Nörgler könnten meinen, ja genau – wie das Elefantenklo von Frankenhausen.

Aber ist es nicht eher ein neu errichteter Bunker? Schliesslich jährt sich das Kriegsende zum 70sten Mal in diesem Jahr. Insofern: Respekt für die pünktliche Fertigstellung.

Für andere mag es vielleicht auch die gelungene Kopie einer Tempelstätte… wie hiess die noch mal? Ja warum nicht? Es ist eine Art Mini-Taj Mahal am Samerberg:

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Was allerdings doch verwundert, ist die Tatsache, dass die Gemeinde sich wortreich dagegen wehrt, die Lorbeeren für diesen Geniestreich entgegenzunehmen.

Das Landratsamt oder war es das Landwirtschaftsamt (?) soll alles hinter dem Rücken der Gemeinde arrangiert haben. Wenn das so wäre – seien Sie versichert, es ist nicht so – dann würde sich in der Tat die Frage stellen, ob der Samerberg so eine große und sehr teure Verwaltung überhaupt braucht.

Aber natürlich hat die Gemeinde (Bauausschuss, Bürgermeister und Bauamtsleiter) stundenlang mit dem Bauherren debattiert, haben ihn, wenn er verzagen und weniger mutig, eine angepasste Bauform wählen oder vielleicht einen weniger prominenten Platz bebauen wollte, immer wieder aufgerichtet und bestärkt an seinem eingereichten Entwurf festzuhalten.

Sicherlich haben sie auch, als Kleingeister, die Privilegierung dieses landwirtschaftlichen Baus in Zweifel ziehen wollten, diese klug verteidigt. Vielleicht hat es auch Böswillige gegeben, die den Bau vermessen und mit den eingereichten Unterlagen vergleichen wollten, ja selbst wenn –  sie hätten nichts ausrichten können.

Jetzt sollen aber doch “mögliche” Rechtsmittel gegen dieses Kleinod eingelegt werden – glücklicherweise ist es dafür natürlich zu spät. Künftige Generationen werden diesen Umstand noch zu schätzen wissen.

Und für all diese Mühe soll es keinen Dank geben? Die seelenlose Bürokratie des Landwirtschaftsamtes soll all dies bewerkstelligt haben… zu viel Bescheidenheit, wirklich!

Das Personalkarussell dreht sich weiter


Die gemeindeeigene Gaststätte “Zum Badwirt” hat wieder neue Pächter gefunden.

Die einzig spannende Frage in dieser Tragödie ist: Wann setzt sich in der Gemeinde die Erkenntnis durch, dass es keinen Sinn hat, immer wieder nur darauf zu hoffen, dass jemand von außen kommt und Zeit, Geld und Energie investiert.

Es wäre nötig, endlich eine Vision zu entwickeln, Ideen zu generieren und ein langfristiges, tragfähiges  Konzept aufzustellen. Doch so lange man eine derartige Aufgabe eher als Verwaltungsakt denn als strategische Herausforderung sieht, wird sich das Karussell vermutlich noch weiter drehen…

Informationsveranstaltung zum Thema Trinkwasser

Am 10.2.2015 hielt Dr. Christian Magerl einen Vortrag zum Thema Wasser in Bayern. Dabei wurde deutlich, dass sich trotz unterschiedlicher Anstrengungen die Qualität des Trinkwassers in Bayern besonders in Bezug auf den Nitratgehalt verschlechtert, statt verbessert hat.

Nitrat im Grundwasser ist am Samerberg allerdings kein Problem, die Werte liegen auch unter den Vorsorgewerten für Kleinkinder und Babys. Dafür gibt es das aktuelle Problem der Verunreinigung und die langfristige Sicherung der Trinkwasserversorgung aus oberflächennahen Grundwasser:

 

Die meisten Besucher waren sich einig in der Feststellung, dass bei allen Problemen die es aktuell gibt, die regionale Wasserversorgung in den Händen der Gemeinde oder zumindest der öffentlichen Hand bleiben muss.

Ebenso erhielt die Feststellung Zustimmung, dass die Informationspolitik der Gemeinde zu dem wichtigen Thema Trinkwasser inakzeptabel ist.

Eine Chronologie der Ereignisse um die aktuellen Verschmutzungsprobleme aus Sicht der betroffenen Verbraucher kann in der Präsentation (auf das Bild links klicken) nachvollzogen werden.

Aus den Wetterdaten ist ersichtlich, dass der Starkregen im letzten Jahr, der allgemein als Ursache für die Verunreinigung mit Keimen angesehen wird, kein singuläres Ereignis war. Im Gegenteil: Ein Vergleich mit anderen Starkregenereignisse der letzten 50 Jahre zeigt sich, dass es rund 20 Tage gab, an denen mehr Regen fiel.

 

Die kollektive Festplatte

An Heilig Drei König startete die Ausstellung “Der Samerberg im Wandel“. Die Eröffnungsrede hielt der Bürgermeister mit der rhetorischen Frage nach der Kunsthaftigkeit der gezeigten Fotos. Diese Frage ist für den Rahmen zu groß und zugleich auch zu klein und vor allem eines: Irrelevant.

Die Bilder sind ein Exzerpt aus der Arbeit mit fotojournalistischem Anspruch. Und auch wenn einige Fotos von Hermann Heyl (Samerberger Schönheiten) in die Ausstellung integriert sind, so geht es Rainer Nitzsche wohl vor allem darum die Schönheit der Landschaft und die Höhepunkte im Brauchtum darzustellen. Deshalb sind diese Bilder eben vor allem eines: Schön. Die Menschen tragen Festkleidung und der Himmel ist immer blau, sehr blau.

Unabhängig vom Sujet zeigen die Fotos, was mit moderner Digitaltechnik möglich ist. Die Tiefe des Raumes und die Detailfülle sind beeindruckend und laden ein, ganz nahe heran zu gehen. Und keine Frage, diese Fotos werden künftige Bildbände und Informationsmaterialien über den Samerberg prägen. Und vielleicht prägen sie auch ein wenig die eigene Sicht der Bewohner für Ihre Umgebung. Vielleicht wird so mancher am nächsten Tag etwas aufmerksamer den Alltag oder die nächsten Feste begehen und schauen … schauen wie mit dem Auge des Fotografen.

Aber jenseits von schönen Landschafts- und Brauchtumsfotos werden die Arbeiten dann am interessantesten, wenn der Fotograf die Hochglanzästhetik verlässt, wenn er nicht mehr auf einen priviligierten Standort oder technische Perfektion zählt, sondern sich auf die Menschen konzentriert und den Instinkt für den richtigen Moment hat. Dann entstehen kleine Juwelen, wie das sich küssende Paar am Rande einer Fussballübertragung (neudeutsch: Public Viewing)  und Kinder, die auf einer Schaukel tollen.

So eine Ausstellung ist schwer zu machen und leicht zu kritisieren. Es erfordert sehr viel Energie und Überzeugungsarbeit eine, vielleicht am Anfang wage Idee zu verfolgen und umzusetzen – dem Samerberger Künstlerkreis ist in dieser Hinsicht besonders zu danken. Und vielleicht ist diese Fotoausstellung der Anfang von etwas das weiter geht. Der Anfang ist gemacht.

Weihnachtsgruß von Neunundachtzigern

Jetzt melden sich die Bürgerrechtler von 89 zu Wort, um die sogenannte Pegida-Bewegung zu kommentieren:

 

PEGIDA – Nie wieda!

Wir sind das Volk ruft ihr

Freiheit Toleranz Welt offen meinte das ’89

Visa frei bis Hawai war die Devise

Und: Die Mauer muss weg

 

Ihr aber wollt:

Visa frei nur für uns

Die Mauer muss weg nur für uns

Die Mauer muss her am Mittelmeer

25 Jahre nach Mauerfall

 

Zusehen wollt ihr wenn die Elenden

Der Welt an neuen Mauern sterben

An euren Mauern

Oder ihr dreht euch weg

Um in Ruhe Gänsebraten zu fressen

Und Weihnachtslieder zu singen

 

Jesus hätte gekotzt hätte er euch getroffen

 

Habt ihr euch nie gefragt:

Wer liefert die Waffen für die Bürgerkriege, die die Menschen vertreiben

Wer hat der Welt den Neoliberalismus aufgezwungen

Der sie in Ungleichheit Armut Not treibt
, bei uns und im Süden der Erde

Und wer hat die Klimakatastrophen produziert

Die den Sahel zur Hölle machen

 

Dabei pfeifen die Spatzen von den Dächern:

Es ist das System das ihr nicht schnell genug bekommen konntet

Dem ihr den ’89er Versuch geopfert habt

Den Versuch einer alternativen Demokratie

Einer freiheitlichen solidarischen ökologischen

Doch ihr sprecht nicht über dieses System

Über Kapitalismus seine Gemeinheiten über Interessen

Dafür protestiert ihr gegen die Schwachen

An die Mächtigen traut ihr euch nicht heran

 

Feiglinge

 

In Sachsen sind Muslime nur mit der Lupe zu finden

Aber ihr bekämpft die Islamisierung des Abendlands

Euer Abendland heißt Dunkeldeutschland

Ihr riecht nach dem Provinzmief hinter der Mauer

Oder dem in den Tälern der Alpen

 

Ihr sprecht nicht für ’89

Ihr sprecht für keine Freiheitsbewegung

Ihr seid deren Schande

Schämt euch

 

Auf euer Abendland haben wir ’89 gepfiffen

Darauf pfeifen wir auch heute

Unsere Solidarität den Flüchtlingen

 

Und immer noch sagen wir

Eine andere Welt ist möglich

Eine andere Welt ist nötig

Um alle Mauern zu stürzen

 

Weihnachten 2014

Die Unterzeichner:
Kerstin Ahrens (1989 Kirche von Unten), Silke Ahrens (1989 Kirche von Unten, Offene Arbeit), 
Susan Arndt (1989 Neues Forum/Student/innenrat HU Berlin), Judith Braband (VL/Zentraler 
Runder Tisch/Kuratorium Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin), Malte Daniliuk 
(1989/1990 Bürgerkomitee 15. Januar zur Auflösung des MfS), Bettina Dziggel (1983-89 Lesben 
in der Kirche, AK Homosexuelle Selbsthilfe Berlin, Gethsemanekirche), Konrad Elmer- Herzig 
(1989 Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR), Hans-Jürgen Fischbeck (1989 
Mitbegründer von "Demokratie Jetzt", Zentraler Runder Tisch), Bernd Florath (1989 Unabhängiger 
Historikerverband/Neues Forum), Bernd Gehrke (1989 Vereinigte Linke, Zentraler Runder Tisch), 
Elisabeth Gibbels ( Schriftstellerin), Andreas Heise (1989 Neues Forum), Werner Jahn (1989 
Initiative für eine Vereinigte Linke/Gruppe "Gründet Räte in den Betrieben"), Peter Jeschke 
(1989 Neues Forum, Runder Tisch Halle, ehemals Stadtrat), Wolfram Kempe (Schriftsteller), 
Samirah Kenawi (1989 Unabhängiger Frauenverband), Thomas Klein (1989 Vereinigte Linke, 
Zentraler Runder Tisch), Lothar König (Pfarrer, JG Stadtmitte Jena), Marinka Körzendörfer 
(1983-89 Lesben in der Kirche, AK Homosexuelle Selbsthilfe Berlin, Gethsemanekirche), Bernd 
Markowsky (1976 Haft wg. Staatsfeindlicher Gruppenbildung/AKL und OA Jena), Isa-Lorena Messer 
(Neues Forum), Antje Meurers (1989 Neues Forum Dresden, Lehrerin), Dietmar Mielke (Friedenskreis 
Friedrichsfelde), Silvia Müller (1989 Vereinigte Linke, Zentraler Runder Tisch), Wolfgang 
Musigmann (Offene Arbeit Erfurt, 1989 Mitglied des Bürgerkomitees Erfurt ), Neues Forum; 
Peter Neumann (1989 Neues Forum/Arbeitsgruppe Sicherheit), Angelika Nguyen 
(1989 Vereinigte Linke), Henning Pietzsch (1989 Offene kirchliche Jugendarbeit 
Jena/JG-Stadtmitte), Grit Poppe (1989 Demokratie Jetzt, Runder Tisch Bezirk Potsdam, 
Landesgeschäftsführerin für DJ Brandenburg), Axel Peters (Neues Forum/Besetzung 
Stasi-Waffenlager Kavelstorf/Besetzer der Stasizentrale in Rostock), Judith Porath 
(1989 Junge Gemeinde Oranienburg/Theatergruppe Theo), Elske Rosenfeld (89er Demonstrantin, 
Künstlerin), Rüdiger Rosenthal (1990 Grüne Partei der DDR), Wolfgang Stadthaus (1989 
Friedenskreis Berlin), Torsten Schleipp (1989 Vereinigte Linke, Runder Tisch Leipzig), 
Andreas Schmidt (1989 Neues Forum), Andreas Schreier (Redaktion telegraph), 
Reinhard Schult (1989 Neues Forum, Zentraler Runder Tisch), Anne Seeck (Dresdner 
Subkultur, 1989 ausgereist), Wolfgang Stadthaus (1989 Friedenskreis Berlin, Dirk Teschner 
(1989 Kirche von Unten/Redaktion Friedrichsfelder Feuermelder), William Totok 
(ehem. Aktionsgruppe Banat, Publizist, Berlin), Veronika Wagner (1989 Opposition, 
VBK-Berlin Montagsversammlungen,-demonstrationen), Rainer Wahls (1989 Soldatenrat 
8. Motschützenregiment Drögerheide/danach StuRa HU Berlin), Dirk Wassersleben 
(Redaktion telegraph), Albrecht Wetzel (1989/90 Bürgerkomitee 15.Januar zur 
Auflösung MfS), Dietmar Wolf (1989 Umweltbiblohek Berlin, Antifa Ostberlin); 
Jolly Zickler (1989 Kirche von Unten), Siegfried Zoels (1989 Neues Forum, 
Runder Tisch Berlin-Prenzlauer Berg)

Sudelfeld alternativlos

“Wir müssen unser Land modernisieren und unseren Kindern ein anderes Erbe als Arbeitslosigkeit und öffentliche Schulden hinterlassen.”

Sagte in angenehmer Klarheit der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole. Diesen Satz wird wohl auch jeder unterschreiben. Aber wenn es um die eigenen Ansprüche geht, ja dann… Z.B. wenn es darum geht, dass man im Winter dann Skifahren will, wenn man Lust hat oder es geplant ist und nicht unbedingt dann, wenn es geschneit hat. Oder wenn es darum geht, weiterhin Geld zu scheffeln, egal, was es die Allgemeinheit und die Zukunft kostet.

SudelfeldKlingt abwegig? Keinesfalls! Der Miesbacher Skandal-Landrat Jakob Kreidl (70.000 € für die eigene Geburtstagsfeier von der Sparkasse, Ehefrau beschäftigt, Doktortitel erschlichen, Schwarzbau erstellt) hat kurz vor seinem unrühmlichen politischen Ende ein Großprojekt im Landschaftsschutzgebiet im Schnellverfahren durchgedrückt, dass seinesgleichen sucht, den Steuerzahler Millionen kostet und absehbar in einer Investruine endet.

FS_20141109_58016Es geht um den Bau des größten Speichersees Deutschlands für das Sudelfeld und nebenbei noch 250 Schneekanonen – im Landschaftsschutzgebiet, wo man nicht mal ein Blümchen ausreissen darf! Der Speichersee wird einzig und allein für die Schneekanonen angelegt. Und die Betreiber sehen die weitere Erwärmung durch den Klimawandel gelassen. Um die Rendite zu erwirtschaften reichen wohl 15 Jahre, vielleicht auch nur 10. Den Rückbau können dann unsere Kinder erledigen – da gibt es bestimmt auch wieder Subventionen.

Natürlich hat es gegen dieses Projekt Widerstand gegeben. Nur die Kritiker haben naturgemäss nicht so klare Vorteile zu bieten, wie die Betreiber. Sie sehen wie die kurzfristigen Interessen einzelner den langfristigen aller untergeordnet werden. Ihre Bedenken sind teilweise abstrakt oder liegen im Ungefähren.

Dabei sollte für jeden klar sein, dass es so nicht weiter gehen kann. Was kommt denn als nächstes, wenn, absehbar in etwa 10 Jahren durch den Klimawandel die Winter so warm werden, dass Schneekanonen auch nichts mehr ausrichten können? Werden dann Kühlelemente in den Boden verbaut? Und wenn das nicht mehr hilft, wird dann das Sudelfeld überdacht und klimatisiert – technisch geht das. Und es gibt kranke Hirne, die solche Dinge gerne umsetzen würden, zumal jetzt ja der Grundstein gelegt wurde. Die falschen Subventionen und Investitionen von heute ziehen weitere nach sich. Es ist die normative Kraft des Faktischen.

Dazu äussert sich sehr sympathisch und in angenehmer Klarheit Hans Peter Mair (Geschäftsbereichsleiter der zentralen DAV-Bundesgeschäftsstelle): “Mit dem Ausbau ist eine rote Linie überschritten, es ist der falsche Weg zur falschen Zeit.” In jeder Hinsicht das Gegenteil kommt vom DAV Rosenheim. Denn dessen Chef Franz Knarr (“Erpressen ist wie Klavierspielen”, “der DAV muss der ADAC der Berge werden”) sieht dies – wenn auch nur verdruckst und verschwurbelt – ganz anders. Die Signalwirkung war und ist fatal: Sogleich heisst es, nicht einmal die Umweltschützer sind sich einig. Dabei ist der DAV Rosenheim, auch wenn in der Satzung ein tapferer kleiner Absatz genau dies besagt, keineswegs Natur- oder gar Umweltschützer. So kommt z.B. das Wort “Umwelt” z.B. im Jahresbericht nur im Zusammenhang mit der “Umweltabgabe” vor.

Natürlich wäre es ungerecht, die Schuld allein beim DAV Rosenheim zu suchen. Dieses Verhalten ist nicht die Ursache sondern nur Symptom einer Gesellschaft, die von der Substanz der Vergangenheit und auf Kosten der Zukunft lebt.

Auf jeden Fall ist die DAV-Zentrale und der Bund Naturschutz mit dem Versuch dieses Projekt zu stoppen vor Gericht gescheitert. Die Bagger hatten einfach Tatsachen geschaffen – und die Beteiligten haben auch gar nicht groß drumrum geredet. Es wäre zu schwierig alles wieder zurückzubauen…

Recht hams – das sollen ja unsere Kinder besorgen!

Franz Alt am Samstag in Neubeuern

FS_20141115_58140Franz Alt war am Samstag in Neubeuern, um im überfüllten Bürgersaal über die Bewahrung der Schöpfung im weiteren Sinne zu sprechen.

Schirmherr der Veranstaltung war der amtierende Bürgermeister Hans Nowak von der Beurer Bürgernähe – eine unabhängige Wählervereinigung.

Der mitreissender Vortrag begann mit den Ursachen des Klimawandels und dessen Auswirkungen. Franz Alt konnte insbesondere die interessengeleitete Politik der alten Carbonwirtschaft immer wieder mit persönlichen Hintergrundgeschichten – er ist ja immer noch Journalist – unterlegen.

Der größten Raum nahm die Darstellung der Möglichkeiten der Technik und Politik ein, wie die Zukunft zu gestalten ist. Und da kam ab und zu auch der Schwabe durch, obwohl Herr Alt Badener ist: “Ein Haus muss Geld verdienen”, “eine Straße muss Geld verdienen”. Gemeint ist, dass ein modernes Haus heute keine Energie mehr von aussen braucht, sondern welche ins Netz einspeisen kann. Bei Verkehrswegen ist es genauso.

Das Fazit: Deutschland hat geholfen, dass weltweit die bezahlbare Technik für die Energiewende bereitsteht. Und viele Länder schauen auf Deutschland, ob die Energiewende gelingt.

Die “Einheits-Story”

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gab es eine Art Zwangsbeglückung in Form einer Gratis-Bild-Zeitung. Gut hatten es die Berliner, denn die konnten diese Ausgabe des “reaktionären Schmierblatts” gegen eine echte Titanic-Ausgabe umtauschen.

Für die Feingeister unter den Bild-Lesern war gleich auf der Titelseite eine Kurzgeschichte vom “Gossen-Goethe” Franz Josef Wagner (ich bin lieber überwacht als tot). Auflage angeblich 42 Millionen!

BildSpätestens seit Max Goldt ist bekannt, dass in der Bildredaktion schlechte Menschen arbeiten, die Falsches tun. Aber hier wollte offensichlich jemand etwas Gutes beitragen in Form einer kleine Geschichte.

Also es fängt an mit DIES WAR EINMAL EIN STEIN UND ER ERZÄHLT UNS SEINE STORY.”

Auf dem Bild zu sehen ist ein Stück der Mauer, die ganz offensichtlich nicht aus Steinen besteht, sondern aus Betonelementen. Auch könnte man einwenden, dass ein Doppelpunkt angesagt ist, dass die Großbuchstaben unmotiviert verwendet werden – aber schliesslich sind wir ja bei der Bild-Zeitung. Auch ist nicht ganz klar, warum der Terminus “Story” verwendet wird; macht vielleicht mehr her. Aber weiter:

“Ich war aus Beton” Gemeint ist offensichtlich der Stein. Gut er war also aus Beton der Stein und jetzt? Jetzt ist er eine Sachertorte?

“Ich steckte in einer Mauer” Der Beton-Stein steckte in einer Mauer! Also Franzl kommt gleich zur Sache. Bildlich ist es zwar schwer vorstellbar, aber weiter:

“Ich sah Menschen, die vor mir verbluteten.” Hm.

“Ich bin ein Mauerstein.” Ja ja, war schon klar; Du bist ein Betonstein in einer Mauer.

“Ich sah Mütter, die weinten.” Na ja, es gab sicherlich keine weinenden Mütter in der Nähe der Mauer, aber das fällt wohl unter dichterische Freiheit.

“Ich war ein Stein in einem Land ohne Licht.” Ein Land ohne Licht? Dunkeldeutschland? Ist da die spärliche Strassenbeleuchtung der DDR gemeint? Falls ja, ist das ziemlich geschmacklos im Zusammenhang  mit den weinenden Müttern. Aber vielleicht ist ja mit “ohne Licht” irgendetwas anderes gemeint? Vermutlich etwas Dunkles…

“Irgendwann hörte ich fremde Geräusche. Sie klangen anders als schnell feuernde Gewehre, detonierende Minen. Es waren Geräusche wie in einem Wald, so wie Spechte, die gegen Bäume klopfen.” Ah – die Mauerspechte! Eine primitive, wenn nicht dumme Paraphrase!

“Das Hickhack, das Klopfen kam näher.” Hickhack, Franzl ist etwas anderes als das Hacken der (Mauer)spechte. Aber das Bild ist schon so verkorkst, darauf kommt es auch nicht mehr an.

“Es war ein Klopfen, wie wenn man nach Überlebenden forscht.” Mann Franzl! Spechte im Wald forschen nicht nach Überlebenden, die suchen Insekten zum Fressen; du taube Nuss!

“ES WAR DER TAG. AN DEM MEIN HERZ AUS BETON ZERBRACH.” Wie jetzt? Der Betonstein hat ein Herz aus Beton? Und das Herz ist zerbrochen? Warum zerbrach sein Herz? Und noch dazu an dem Tag der Freude? Franzl, Franzl,…

“Dies ist die Geschichte eines Steins.” Ach die Geschichte ist schon zu Ende? Ähm… worum ging es noch mal? Um einen Stein, der glücklich und zufrieden in einer Mauer lebte, bis sein Herz zerbrach? Oh Gott!

“Steine können lachen,” Aber sicher! Auch wenn deren Herz gebrochen ist. Sicherlich würden die Steine auch über diese ergreifende Geschichte lachen.

“Steine können weinen.” Oder eben weinen.

“Dieser zerbrochene Mauerstein erzählt die Geschichte der glücklichen Deutschen.” Ganz bestimmt nicht – weder so noch so. Aber an Selbst- und Sendungsbewusstsein fehlt es unserem Franzl offensichtlich nicht.

Das Fazit: Max Goldt hatte und hat recht, die Bildzeitung verbreitet schlechte Dinge, selbst dann, wenn es gut gemeint sein sollte.