Auf zum Containern…

20160610-FS_20160610_84531Am Samerberg wird ein Container für Kindergartenkinder direkt im Garten des jetzigen – zu kleinen – Kindergartens aufgestellt.

Und als ob dies allein nicht schon genug Blamage bedeutet, die Entscheidung dafür wurde zwei mal revidiert. Aber jetzt ist es wohl endgültig beschlossen – trotz 10.000 € Mehrkosten im Jahr. Nun denn! Insgesamt war dies die beste von allen schlechten Lösungen, die auf die Schnelle gefunden werden musste. Allerdings kam die letztgültige Entscheidung auf einer Sondersitzung des Gemeinderates zustande; nach einer massiven Intervention der Betroffenen.

Der gesamte Vorgang offenbart zwei gravierende Schwächen: Einmal ist es die wenig vorausschauende Weise, in der große Bauvorhaben von der Gemeinde angegangen, geplant und entschieden werden. So passiert es, dass der Jugendtreff in Grainbach praktisch über Nacht baufällig wird und von jetzt auf gleich eine Übergangslösung in der neugebauten Kita gesucht werden musste.

Offenbar ist es auch nicht ungewöhnlich, dass direkt am Schwimmbad ein Kisok (30 Meter weiter existiert bereits einer) gebaut und erst danach ein Geschäftsmodell und Pächter gesucht wird.

StatistikDabei ist die Bevölkerungs-entwicklung einer Gemeinde sicherlich nicht sonderlich schwer abzuschätzen – vorausgesetzt, man investiert ein wenig Mühe oder fragt Leute, die etwas davon verstehen. Das Bayerische Landesamt für Statistik etwa, sagt für 2028 mehr als 40 Prozent mehr Kinder voraus!

Aber auch ohne Statistik – wer beim letzten Kindergartenfest dabei war, konnte allein da sechs schwangere Frauen zählen.

Im letzten Wahlkampf war häufig von “Ideologiefreiheit” die Rede. Und wahrscheinlich liegt genau hier das Problem, denn allzu oft steht dieser Terminus für keine Vision, keine Strategie und keine Idee. Wie wäre es stattdessen wieder mit etwas mehr Ideologie? Etwa mit der Ideologie der Nachhaltigkeit? Mit der Ideologie vom Dienst an der Gemeinschaft? Oder auch nur mit der simplen Ideologie der Sekundärtugenden?

Was fassungslos macht, ist zudem die Tatsache, dass man versucht die Schuld für die Fehlplanung den wenigen Flüchtlingskindern zuzuschieben.

Ja und dann der Entscheidungsprozess: Demokratisch legitimiert, klar! Dienst nach Vorschrift – kein Problem, haben wir schon immer so gemacht… Aber dennoch wirkt das Prozedere merkwürdig aus der Zeit gefallen: Auf der einen Seite die betroffenen Eltern, die Kinder und ErzieherInnen und auf der anderen Seite ein kleiner Kreis Entscheidungsträger. Die Asymmetrie ist förmlich mit Händen greifbar.

Und generell gilt für alle demokratischen Entscheidungsprozesse: Die eigentliche Entscheidung ist nur der letzte Schritt. Entscheidender sind die erarbeiteten Alternativen und die Willensbildung. Und dafür bedarf es Fantasie, Sorgfalt, Kommunikation und Transparenz. Und genau dafür gibt es inzwischen mehr als einen unbeleuchteten Aushängekasten beim Bäcker und Petitionslisten am physisch-schwarzem Brett im Kindergarten! Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die große Frage: Wie geht es weiter? Wird man dieses Disaster nutzen, um umzudenken? Welche zukunftsfähige Lösung wird für den Kindergarten gefunden? In absehbarer Zeit wird auch die relativ neue Grundschule zu klein sein. Wie wäre es mit einer breiten Debatte im VORFELD? Es gibt inzwischen wunderbare Konzepte mit flexibel nutzbaren Schulgebäuden. Wird ein harmonisches Gesamtensemble geschaffen? Wird es einen Wettbewerb der Ideen geben? Oder auch nur eine Ausschreibung für die Architektur?

Franz Fühmann sagte einmal: Was nottut, ist die maximale Entfesselung der Fantasie!

Andererseits – in zwei, drei Jahren, wenn die Schule zu klein wird, wird bestimmt nach einer Ad-hoc-Lösung für den Kindergarten der Container nicht mehr gebraucht – den könnte man dann für die Schule hernehmen.

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