Nachhaltige Ortsentwicklung am Samerberg

GrainbachBeim Thema Ortsentwicklung denkt man zunächst an die sichtbaren Veränderungen in einer Gemeinde –  die Bebauung, die das Ortsbild prägt.

Und das Thema Nachhaltigkeit hat oft den Ruf schwer fassbar zu sein. Denn konkrete Erfolgsfaktoren lassen sind kaum messen und damit erscheint eine Steuerung und Erfolgsermittlung unmöglich.

Aber Nachhaltigkeit ist generell betrachtet sehr einfach: Nachfolgende Generationen sollen mindestens so viele natürliche Ressourcen zur Verfügung haben, wie die aktuelle. Diese Betrachtungsweise war für das  Wirtschaften im ländlichen Raum lange Zeit gang und gäbe. Im bäuerlichen, familiär geprägten Milieu ist dies heute noch so. Nun ist im Zuge der immer kürzeren Kapitalverwertungszyklen das Denken in größeren Zusammenhängen und Zeiträumen aus dem Blick geraten.

Um eine Ortsentwicklung nachhaltig zu gestalten, geht es nicht um schwammige Wohlfühlfloskeln oder vereinzelte Maßnahmen. So ändert eine PV-Anlage auf dem Schuldach oder die Wiederholung der Phrase vom sanften Tourismus nichts an der generellen Ausrichtung einer Gemeinde.  Wenn die natürlichen Ressourcen nachhaltig bewirtschaftete werden sollen, muss zunächst eine Vision für die Zukunft  entwickelt und die Bürger dafür begeistert werden. Aus dieser Vision lassen sich Strategien und Konzepte für alle Bereiche des öffentlichen Lebens ableiten: Welche Ressourcen stehen uns zur Verfügung, wie belastbar sind sie, wie soll ihre Nutzung in naher und vor allem ferner Zukunft aussehen. Die entwickelten Konzepte müssen dann „nachhaltig“ umgesetzt und in der täglichen Arbeit verankert werden.

Dies klingt nach einer Herkulesaufgabe, aber es gibt mindestens eine Gemeinde in FS_20170407_101719Bayern, die das sehr gut umgesetzt hat: Furth bei Landshut. Der ehemalige Bürgermeister Dieter Gewies sprach letzten Monat am Samerberg über seine Gemeindeentwicklung, die sehr konsequent am Gedanken der Nachhaltigkeit und damit der Verbindung von Ökonomie, Ökologie, Sozialem, Kunst und Kultur ausgerichtet ist. Diese eher abstrakten Begriffe sind in konkrete „Nachhaltigkeitsfelder“ übersetzt:

  • Bildung und Erziehung
  • Leben im Alter
  • Energie
  • Wasser
  • Biodiversität
  • Innenentwicklung statt Außenentwicklung
  • Verkehr und Finanzen.

Die strenge Beachtung dieser Nachhaltigkeitsfelder hat zu einer sehr guten Infrastruktur, geordneten Finanzen trotz schwacher Steuereinnahmen und einer sehr hohen Lebensqualität geführt.

Dieses Beispiel zeigt, dass man als Kommune eine nachhaltige Strategie verfolgen und wirtschaftlich erfolgreich sein kann. Man kann ein Leben im Alter attraktiv gestalten und die Jungen halten. Man kann Wasser in hoher Trinkqualität zur Verfügung stellen, die Innenentwicklung vorran treiben, CO2-neutral Energie bereitstellen, Verkehrskonzepte umsetzen und Natur- und Landschaftsschutz nachhaltig betreiben, wenn der politische Wille vorhanden und die Bürger einbezogen werden.

Welchen Stellenwert hat Landschafts- und Naturschutz?

Unsere Landschaft ist DIE natürliche Ressource, die nicht nachwächst, die nicht erneuerbar ist. Eine Landschaft, die zugebaut oder betoniert wird, ist für viele Generationen verloren.

Im Programm der Bündnisgrünen heisst es:  >> Die Menschheit kultiviert die Natur und nutzt die Erde. Gleichzeitig sind wir Teil der Natur und bleiben trotz aller Wissenschaft und Technik von ihr abhängig. Die Vielfalt der Natur, den Reichtum ihrer Arten und die unwiederbringliche Eigenart naturnaher Landschaften schützen wir aus Respekt vor ihrem Eigenwert, aber auch weil eine intakte Umwelt für uns Menschen einen nicht in Zahlen messbaren Wert hat. Die Schönheit der Natur ist unbezahlbar. <<

Es gab in der Vergangenheit immer wieder Bestrebungen, den natürlichen Ressourcen einen monetären Wert zuzuschreiben, um ihren Erhalt – also nachhaltige Nutzung – zu fördern. Wir halten dies für einen Irrweg. Der Erhalt der natürlichen Ressourcen ist eine moralische Pflicht die sich aus der Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen ergibt.

Besteht Nachholbedarf?

Der Nachholbedarf in der Gemeinde Samerberg ist im Vergleich, etwa zur erfolgreichen Gemeinde Furth, die ihren Kurs zur nachhaltigen Entwicklung seit etwa 20 Jahren verfolgt, entsprechend groß. Bisher ist am Samerberg die Grundlage, mit dem Entwickeln der Vision und des Ziels der Nachhaltigkeit, noch nicht gelegt.

Dagegen haben einige benachbarten Gemeinden endlich das Thema Nachhaltigkeit auf ihre Agenda geschrieben. Ermutigend ist z.B. der Zusammenschluss des  Interkommunales Entwicklungskonzepts (IKEK), bahnbrechend die Gründung der Bürger Energie Chiemgau Genossenschaft und richtungsweisend der geplante Bau eines Nahwärmnetzes in Aschau. Dort wird auch die Neuaufstellung des Flächennutzungsplans unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit unter großer Beteiligung der Bürger vorangetrieben.

Am Samerberg ist der Flächennutzungsplan über 40 Jahre alt, stammt also aus einer Zeit, als Nachhaltigkeit als Begriff noch nicht geläufig war. Generell  werden hier Entscheidungen jedweder Art ad hoc getroffen. Eine übergeordnete, nachhaltige Strategie und daraus abgeleitete Konzepte existieren nicht. So werden in den von der Gemeinde errichteten Gebäuden immer noch fossile Heizungen eingebaut und nachhaltige Aspekte werden kaum berücksichtigt. Dabei müssen gerade öffentliche Gebäude mit hohem Energieverbrauch Vorbildwirkung haben.

Obwohl es Probleme mit der Wasserversorgung am Samerberg gibt, wurde zu keinem Zeitpunkt der sparsame Umgang mit unserer wichtigsten natürlichen Ressource ins Auge gefasst.

Stichwort Bildung am Samerberg: Weil es kein übergeordnetes Konzept für Bildung und Entwicklung gibt, musste kurz nach der Fertigstellung eines neuen Kindergartens am Samerberg, ein Container für die Kinder aufgestellt werden, da die Plätze nicht ausreichen.

Stichwort Jugendarbeit: In den Vereinen ist die Jugendarbeit fest verankert. Andererseits musste für den Erhalt des Jugendclubs am Samerberg improvisiert werden, nachdem dessen baufälliges Gebäude abgerissen werden musste.

Ein wichtiger Erwerbszweig am Samerberg ist der Tourismus. In den jährlichen Beratungen geht es meist um die Steigerung der Übernachtungszahlen und die Erhöhung der touristischen Attraktivität. Eine nachhaltige Strategie, oder auch nur die Beschreibung der Grenzen des Wachstums und damit dessen, was wünschenswert und verträglich ist, existiert nicht.

Eine Gemeinde wie der Samerberg, deren herausstechendes Merkmal die Schönheit der Landschaft und Einzigartigkeit des Naturraumes ist, braucht noch mehr als andere eine Strategie zur nachhaltigen Entwicklung.

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