Die kollektive Festplatte

An Heilig Drei König startete die Ausstellung “Der Samerberg im Wandel“. Die Eröffnungsrede hielt der Bürgermeister mit der rhetorischen Frage nach der Kunsthaftigkeit der gezeigten Fotos. Diese Frage ist für den Rahmen zu groß und zugleich auch zu klein und vor allem eines: Irrelevant.

Die Bilder sind ein Exzerpt aus der Arbeit mit fotojournalistischem Anspruch. Und auch wenn einige Fotos von Hermann Heyl (Samerberger Schönheiten) in die Ausstellung integriert sind, so geht es Rainer Nitzsche wohl vor allem darum die Schönheit der Landschaft und die Höhepunkte im Brauchtum darzustellen. Deshalb sind diese Bilder eben vor allem eines: Schön. Die Menschen tragen Festkleidung und der Himmel ist immer blau, sehr blau.

Unabhängig vom Sujet zeigen die Fotos, was mit moderner Digitaltechnik möglich ist. Die Tiefe des Raumes und die Detailfülle sind beeindruckend und laden ein, ganz nahe heran zu gehen. Und keine Frage, diese Fotos werden künftige Bildbände und Informationsmaterialien über den Samerberg prägen. Und vielleicht prägen sie auch ein wenig die eigene Sicht der Bewohner für Ihre Umgebung. Vielleicht wird so mancher am nächsten Tag etwas aufmerksamer den Alltag oder die nächsten Feste begehen und schauen … schauen wie mit dem Auge des Fotografen.

Aber jenseits von schönen Landschafts- und Brauchtumsfotos werden die Arbeiten dann am interessantesten, wenn der Fotograf die Hochglanzästhetik verlässt, wenn er nicht mehr auf einen priviligierten Standort oder technische Perfektion zählt, sondern sich auf die Menschen konzentriert und den Instinkt für den richtigen Moment hat. Dann entstehen kleine Juwelen, wie das sich küssende Paar am Rande einer Fussballübertragung (neudeutsch: Public Viewing)  und Kinder, die auf einer Schaukel tollen.

So eine Ausstellung ist schwer zu machen und leicht zu kritisieren. Es erfordert sehr viel Energie und Überzeugungsarbeit eine, vielleicht am Anfang wage Idee zu verfolgen und umzusetzen – dem Samerberger Künstlerkreis ist in dieser Hinsicht besonders zu danken. Und vielleicht ist diese Fotoausstellung der Anfang von etwas das weiter geht. Der Anfang ist gemacht.

Weihnachtsgruß von Neunundachtzigern

Jetzt melden sich die Bürgerrechtler von 89 zu Wort, um die sogenannte Pegida-Bewegung zu kommentieren:

 

PEGIDA – Nie wieda!

Wir sind das Volk ruft ihr

Freiheit Toleranz Welt offen meinte das ’89

Visa frei bis Hawai war die Devise

Und: Die Mauer muss weg

 

Ihr aber wollt:

Visa frei nur für uns

Die Mauer muss weg nur für uns

Die Mauer muss her am Mittelmeer

25 Jahre nach Mauerfall

 

Zusehen wollt ihr wenn die Elenden

Der Welt an neuen Mauern sterben

An euren Mauern

Oder ihr dreht euch weg

Um in Ruhe Gänsebraten zu fressen

Und Weihnachtslieder zu singen

 

Jesus hätte gekotzt hätte er euch getroffen

 

Habt ihr euch nie gefragt:

Wer liefert die Waffen für die Bürgerkriege, die die Menschen vertreiben

Wer hat der Welt den Neoliberalismus aufgezwungen

Der sie in Ungleichheit Armut Not treibt
, bei uns und im Süden der Erde

Und wer hat die Klimakatastrophen produziert

Die den Sahel zur Hölle machen

 

Dabei pfeifen die Spatzen von den Dächern:

Es ist das System das ihr nicht schnell genug bekommen konntet

Dem ihr den ’89er Versuch geopfert habt

Den Versuch einer alternativen Demokratie

Einer freiheitlichen solidarischen ökologischen

Doch ihr sprecht nicht über dieses System

Über Kapitalismus seine Gemeinheiten über Interessen

Dafür protestiert ihr gegen die Schwachen

An die Mächtigen traut ihr euch nicht heran

 

Feiglinge

 

In Sachsen sind Muslime nur mit der Lupe zu finden

Aber ihr bekämpft die Islamisierung des Abendlands

Euer Abendland heißt Dunkeldeutschland

Ihr riecht nach dem Provinzmief hinter der Mauer

Oder dem in den Tälern der Alpen

 

Ihr sprecht nicht für ’89

Ihr sprecht für keine Freiheitsbewegung

Ihr seid deren Schande

Schämt euch

 

Auf euer Abendland haben wir ’89 gepfiffen

Darauf pfeifen wir auch heute

Unsere Solidarität den Flüchtlingen

 

Und immer noch sagen wir

Eine andere Welt ist möglich

Eine andere Welt ist nötig

Um alle Mauern zu stürzen

 

Weihnachten 2014

Die Unterzeichner:
Kerstin Ahrens (1989 Kirche von Unten), Silke Ahrens (1989 Kirche von Unten, Offene Arbeit), 
Susan Arndt (1989 Neues Forum/Student/innenrat HU Berlin), Judith Braband (VL/Zentraler 
Runder Tisch/Kuratorium Haus der Demokratie und Menschenrechte Berlin), Malte Daniliuk 
(1989/1990 Bürgerkomitee 15. Januar zur Auflösung des MfS), Bettina Dziggel (1983-89 Lesben 
in der Kirche, AK Homosexuelle Selbsthilfe Berlin, Gethsemanekirche), Konrad Elmer- Herzig 
(1989 Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR), Hans-Jürgen Fischbeck (1989 
Mitbegründer von "Demokratie Jetzt", Zentraler Runder Tisch), Bernd Florath (1989 Unabhängiger 
Historikerverband/Neues Forum), Bernd Gehrke (1989 Vereinigte Linke, Zentraler Runder Tisch), 
Elisabeth Gibbels ( Schriftstellerin), Andreas Heise (1989 Neues Forum), Werner Jahn (1989 
Initiative für eine Vereinigte Linke/Gruppe "Gründet Räte in den Betrieben"), Peter Jeschke 
(1989 Neues Forum, Runder Tisch Halle, ehemals Stadtrat), Wolfram Kempe (Schriftsteller), 
Samirah Kenawi (1989 Unabhängiger Frauenverband), Thomas Klein (1989 Vereinigte Linke, 
Zentraler Runder Tisch), Lothar König (Pfarrer, JG Stadtmitte Jena), Marinka Körzendörfer 
(1983-89 Lesben in der Kirche, AK Homosexuelle Selbsthilfe Berlin, Gethsemanekirche), Bernd 
Markowsky (1976 Haft wg. Staatsfeindlicher Gruppenbildung/AKL und OA Jena), Isa-Lorena Messer 
(Neues Forum), Antje Meurers (1989 Neues Forum Dresden, Lehrerin), Dietmar Mielke (Friedenskreis 
Friedrichsfelde), Silvia Müller (1989 Vereinigte Linke, Zentraler Runder Tisch), Wolfgang 
Musigmann (Offene Arbeit Erfurt, 1989 Mitglied des Bürgerkomitees Erfurt ), Neues Forum; 
Peter Neumann (1989 Neues Forum/Arbeitsgruppe Sicherheit), Angelika Nguyen 
(1989 Vereinigte Linke), Henning Pietzsch (1989 Offene kirchliche Jugendarbeit 
Jena/JG-Stadtmitte), Grit Poppe (1989 Demokratie Jetzt, Runder Tisch Bezirk Potsdam, 
Landesgeschäftsführerin für DJ Brandenburg), Axel Peters (Neues Forum/Besetzung 
Stasi-Waffenlager Kavelstorf/Besetzer der Stasizentrale in Rostock), Judith Porath 
(1989 Junge Gemeinde Oranienburg/Theatergruppe Theo), Elske Rosenfeld (89er Demonstrantin, 
Künstlerin), Rüdiger Rosenthal (1990 Grüne Partei der DDR), Wolfgang Stadthaus (1989 
Friedenskreis Berlin), Torsten Schleipp (1989 Vereinigte Linke, Runder Tisch Leipzig), 
Andreas Schmidt (1989 Neues Forum), Andreas Schreier (Redaktion telegraph), 
Reinhard Schult (1989 Neues Forum, Zentraler Runder Tisch), Anne Seeck (Dresdner 
Subkultur, 1989 ausgereist), Wolfgang Stadthaus (1989 Friedenskreis Berlin, Dirk Teschner 
(1989 Kirche von Unten/Redaktion Friedrichsfelder Feuermelder), William Totok 
(ehem. Aktionsgruppe Banat, Publizist, Berlin), Veronika Wagner (1989 Opposition, 
VBK-Berlin Montagsversammlungen,-demonstrationen), Rainer Wahls (1989 Soldatenrat 
8. Motschützenregiment Drögerheide/danach StuRa HU Berlin), Dirk Wassersleben 
(Redaktion telegraph), Albrecht Wetzel (1989/90 Bürgerkomitee 15.Januar zur 
Auflösung MfS), Dietmar Wolf (1989 Umweltbiblohek Berlin, Antifa Ostberlin); 
Jolly Zickler (1989 Kirche von Unten), Siegfried Zoels (1989 Neues Forum, 
Runder Tisch Berlin-Prenzlauer Berg)

Sudelfeld alternativlos

“Wir müssen unser Land modernisieren und unseren Kindern ein anderes Erbe als Arbeitslosigkeit und öffentliche Schulden hinterlassen.”

Sagte in angenehmer Klarheit der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Jean Tirole. Diesen Satz wird wohl auch jeder unterschreiben. Aber wenn es um die eigenen Ansprüche geht, ja dann… Z.B. wenn es darum geht, dass man im Winter dann Skifahren will, wenn man Lust hat oder es geplant ist und nicht unbedingt dann, wenn es geschneit hat. Oder wenn es darum geht, weiterhin Geld zu scheffeln, egal, was es die Allgemeinheit und die Zukunft kostet.

SudelfeldKlingt abwegig? Keinesfalls! Der Miesbacher Skandal-Landrat Jakob Kreidl (70.000 € für die eigene Geburtstagsfeier von der Sparkasse, Ehefrau beschäftigt, Doktortitel erschlichen, Schwarzbau erstellt) hat kurz vor seinem unrühmlichen politischen Ende ein Großprojekt im Landschaftsschutzgebiet im Schnellverfahren durchgedrückt, dass seinesgleichen sucht, den Steuerzahler Millionen kostet und absehbar in einer Investruine endet.

FS_20141109_58016Es geht um den Bau des größten Speichersees Deutschlands für das Sudelfeld und nebenbei noch 250 Schneekanonen – im Landschaftsschutzgebiet, wo man nicht mal ein Blümchen ausreissen darf! Der Speichersee wird einzig und allein für die Schneekanonen angelegt. Und die Betreiber sehen die weitere Erwärmung durch den Klimawandel gelassen. Um die Rendite zu erwirtschaften reichen wohl 15 Jahre, vielleicht auch nur 10. Den Rückbau können dann unsere Kinder erledigen – da gibt es bestimmt auch wieder Subventionen.

Natürlich hat es gegen dieses Projekt Widerstand gegeben. Nur die Kritiker haben naturgemäss nicht so klare Vorteile zu bieten, wie die Betreiber. Sie sehen wie die kurzfristigen Interessen einzelner den langfristigen aller untergeordnet werden. Ihre Bedenken sind teilweise abstrakt oder liegen im Ungefähren.

Dabei sollte für jeden klar sein, dass es so nicht weiter gehen kann. Was kommt denn als nächstes, wenn, absehbar in etwa 10 Jahren durch den Klimawandel die Winter so warm werden, dass Schneekanonen auch nichts mehr ausrichten können? Werden dann Kühlelemente in den Boden verbaut? Und wenn das nicht mehr hilft, wird dann das Sudelfeld überdacht und klimatisiert – technisch geht das. Und es gibt kranke Hirne, die solche Dinge gerne umsetzen würden, zumal jetzt ja der Grundstein gelegt wurde. Die falschen Subventionen und Investitionen von heute ziehen weitere nach sich. Es ist die normative Kraft des Faktischen.

Dazu äussert sich sehr sympathisch und in angenehmer Klarheit Hans Peter Mair (Geschäftsbereichsleiter der zentralen DAV-Bundesgeschäftsstelle): “Mit dem Ausbau ist eine rote Linie überschritten, es ist der falsche Weg zur falschen Zeit.” In jeder Hinsicht das Gegenteil kommt vom DAV Rosenheim. Denn dessen Chef Franz Knarr (“Erpressen ist wie Klavierspielen”, “der DAV muss der ADAC der Berge werden”) sieht dies – wenn auch nur verdruckst und verschwurbelt – ganz anders. Die Signalwirkung war und ist fatal: Sogleich heisst es, nicht einmal die Umweltschützer sind sich einig. Dabei ist der DAV Rosenheim, auch wenn in der Satzung ein tapferer kleiner Absatz genau dies besagt, keineswegs Natur- oder gar Umweltschützer. So kommt z.B. das Wort “Umwelt” z.B. im Jahresbericht nur im Zusammenhang mit der “Umweltabgabe” vor.

Natürlich wäre es ungerecht, die Schuld allein beim DAV Rosenheim zu suchen. Dieses Verhalten ist nicht die Ursache sondern nur Symptom einer Gesellschaft, die von der Substanz der Vergangenheit und auf Kosten der Zukunft lebt.

Auf jeden Fall ist die DAV-Zentrale und der Bund Naturschutz mit dem Versuch dieses Projekt zu stoppen vor Gericht gescheitert. Die Bagger hatten einfach Tatsachen geschaffen – und die Beteiligten haben auch gar nicht groß drumrum geredet. Es wäre zu schwierig alles wieder zurückzubauen…

Recht hams – das sollen ja unsere Kinder besorgen!

Franz Alt am Samstag in Neubeuern

FS_20141115_58140Franz Alt war am Samstag in Neubeuern, um im überfüllten Bürgersaal über die Bewahrung der Schöpfung im weiteren Sinne zu sprechen.

Schirmherr der Veranstaltung war der amtierende Bürgermeister Hans Nowak von der Beurer Bürgernähe – eine unabhängige Wählervereinigung.

Der mitreissender Vortrag begann mit den Ursachen des Klimawandels und dessen Auswirkungen. Franz Alt konnte insbesondere die interessengeleitete Politik der alten Carbonwirtschaft immer wieder mit persönlichen Hintergrundgeschichten – er ist ja immer noch Journalist – unterlegen.

Der größten Raum nahm die Darstellung der Möglichkeiten der Technik und Politik ein, wie die Zukunft zu gestalten ist. Und da kam ab und zu auch der Schwabe durch, obwohl Herr Alt Badener ist: “Ein Haus muss Geld verdienen”, “eine Straße muss Geld verdienen”. Gemeint ist, dass ein modernes Haus heute keine Energie mehr von aussen braucht, sondern welche ins Netz einspeisen kann. Bei Verkehrswegen ist es genauso.

Das Fazit: Deutschland hat geholfen, dass weltweit die bezahlbare Technik für die Energiewende bereitsteht. Und viele Länder schauen auf Deutschland, ob die Energiewende gelingt.

Die “Einheits-Story”

Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gab es eine Art Zwangsbeglückung in Form einer Gratis-Bild-Zeitung. Gut hatten es die Berliner, denn die konnten diese Ausgabe des “reaktionären Schmierblatts” gegen eine echte Titanic-Ausgabe umtauschen.

Für die Feingeister unter den Bild-Lesern war gleich auf der Titelseite eine Kurzgeschichte vom “Gossen-Goethe” Franz Josef Wagner (ich bin lieber überwacht als tot). Auflage angeblich 42 Millionen!

BildSpätestens seit Max Goldt ist bekannt, dass in der Bildredaktion schlechte Menschen arbeiten, die Falsches tun. Aber hier wollte offensichlich jemand etwas Gutes beitragen in Form einer kleine Geschichte.

Also es fängt an mit DIES WAR EINMAL EIN STEIN UND ER ERZÄHLT UNS SEINE STORY.”

Auf dem Bild zu sehen ist ein Stück der Mauer, die ganz offensichtlich nicht aus Steinen besteht, sondern aus Betonelementen. Auch könnte man einwenden, dass ein Doppelpunkt angesagt ist, dass die Großbuchstaben unmotiviert verwendet werden – aber schliesslich sind wir ja bei der Bild-Zeitung. Auch ist nicht ganz klar, warum der Terminus “Story” verwendet wird; macht vielleicht mehr her. Aber weiter:

“Ich war aus Beton” Gemeint ist offensichtlich der Stein. Gut er war also aus Beton der Stein und jetzt? Jetzt ist er eine Sachertorte?

“Ich steckte in einer Mauer” Der Beton-Stein steckte in einer Mauer! Also Franzl kommt gleich zur Sache. Bildlich ist es zwar schwer vorstellbar, aber weiter:

“Ich sah Menschen, die vor mir verbluteten.” Hm.

“Ich bin ein Mauerstein.” Ja ja, war schon klar; Du bist ein Betonstein in einer Mauer.

“Ich sah Mütter, die weinten.” Na ja, es gab sicherlich keine weinenden Mütter in der Nähe der Mauer, aber das fällt wohl unter dichterische Freiheit.

“Ich war ein Stein in einem Land ohne Licht.” Ein Land ohne Licht? Dunkeldeutschland? Ist da die spärliche Strassenbeleuchtung der DDR gemeint? Falls ja, ist das ziemlich geschmacklos im Zusammenhang  mit den weinenden Müttern. Aber vielleicht ist ja mit “ohne Licht” irgendetwas anderes gemeint? Vermutlich etwas Dunkles…

“Irgendwann hörte ich fremde Geräusche. Sie klangen anders als schnell feuernde Gewehre, detonierende Minen. Es waren Geräusche wie in einem Wald, so wie Spechte, die gegen Bäume klopfen.” Ah – die Mauerspechte! Eine primitive, wenn nicht dumme Paraphrase!

“Das Hickhack, das Klopfen kam näher.” Hickhack, Franzl ist etwas anderes als das Hacken der (Mauer)spechte. Aber das Bild ist schon so verkorkst, darauf kommt es auch nicht mehr an.

“Es war ein Klopfen, wie wenn man nach Überlebenden forscht.” Mann Franzl! Spechte im Wald forschen nicht nach Überlebenden, die suchen Insekten zum Fressen; du taube Nuss!

“ES WAR DER TAG. AN DEM MEIN HERZ AUS BETON ZERBRACH.” Wie jetzt? Der Betonstein hat ein Herz aus Beton? Und das Herz ist zerbrochen? Warum zerbrach sein Herz? Und noch dazu an dem Tag der Freude? Franzl, Franzl,…

“Dies ist die Geschichte eines Steins.” Ach die Geschichte ist schon zu Ende? Ähm… worum ging es noch mal? Um einen Stein, der glücklich und zufrieden in einer Mauer lebte, bis sein Herz zerbrach? Oh Gott!

“Steine können lachen,” Aber sicher! Auch wenn deren Herz gebrochen ist. Sicherlich würden die Steine auch über diese ergreifende Geschichte lachen.

“Steine können weinen.” Oder eben weinen.

“Dieser zerbrochene Mauerstein erzählt die Geschichte der glücklichen Deutschen.” Ganz bestimmt nicht – weder so noch so. Aber an Selbst- und Sendungsbewusstsein fehlt es unserem Franzl offensichtlich nicht.

Das Fazit: Max Goldt hatte und hat recht, die Bildzeitung verbreitet schlechte Dinge, selbst dann, wenn es gut gemeint sein sollte.

 

 

Franz Alt kommt nach Neubeuern

Franz_AltFranz Alt, wahrscheinlich noch einigen bekannt als der Macher des politischen Magazins Report (nicht aus München), hat sich seit einigen Jahren ganz der Bewahrung der Schöpfung verschrieben.

Aus seinem christlichen Glauben heraus engagiert er sich insbesondere für die Nutzung der Sonnenenergie und sieht sich selbst als das ökologische Gewissen der Deutschen.

Auf seiner eigenen Seite (Sonnenseite) kann man unter “Aktuelles” täglich neues zum Thema Umwelt und Energie nachlesen.

Neues Angebot in Grainbach

FS_20141024_57300Unser Dorfladen in Grainbach lässt sich nicht unterkriegen und erweitert sein Angebot: Jetzt gibt es eine kleine Kaffee-Ecke, ja wozu? Zum Kaffeetrinken natürlich.

Aber sie ist auch geeignet für ein Frühstück und oder ein Imbiß – Leberkäse-Semmel und solche Dinge.

Also: Einfach hingehen und ausprobieren!

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

Die erträgliche Leichtigkeit des Seins

PixnerAm Samstag hat Anna keinen Geringeren als Herbert Pixner mit seinem “Project – finest handcrafted music from the alps” in die Samerhalle eingeladen.

Der unbedarfte Zuhörer war vielleicht misstrauisch: Instrumentierung mit Harfe, dafür kein Schlagzeug, schmale, fast unsichtbare Lautsprechergruppen, klassische Kleidung der Musiker.

Auch sonst macht die Pixnertruppe so ziemlich alles falsch, was man eigentlich von einer guten Bühnenshow erwarten kann: Keine attraktive Sängerin, die den Kontakt zum Puplikum herstellt und von Herbert Pixner selbst sieht man kaum mehr als seinen schwarzen Hut – wegen seiner gekauerten Haltung – meist von oben.

Und was muskalisch folgt, erinnert zunächst einmal an Ernst Moik auf Speed und dann sehr stark an die Estradenprogramme der 70er Jahre mit ihren unsäglichen “musikalischen Rundreisen durch die Welt”. Von den Alpen nach Südeuropa, Lateinamerika, Nordamerika und so weiter und so weiter.

Dennoch muss man sagen, dass dieses Quartett nur eben das ausführt, was es hervorragend und virtuos beherrscht: Musik machen. Und dies tut die Pixner-Gruppe mit einer Lebens- und Spielfreude, die sich fast sofort auf das Puplikum überträgt. Der Humor dieser Musik ist genauso wie der verbale luzide und wird auch vom musikalischen Laien verstanden. Die Begeisterung in der Samerhalle ist einhellig. Und wenn auch ein einzelner Song keine Leben retten kann (can a song save your life) – Pixner rettet den kalten verregneten Samstagabend und es gibt kaum ein Gesicht, dass nicht ab und an ein entrücktes Lächeln zeigt.

Wahrscheinlich geht so manchen die Art wie Pixner mit tradierten alpenländischen Liedgut umgeht, zu weit. Aber diese Art ist mit Sicherheit die kreativste und intelligenteste. Und was sagte Pixner so schön, haben ihm die “Alten” mit auf den Weg gegeben? Macht’s was Ihr wolt mit den Liedern – Hauptsache es grooved… Und wer das nicht glaubt, der ist selber schuld.

Ergebnis der letzten Gemeinderatssitzung

ErdgeschossDas Konzept zur Bebauung der Kräuterstraße 10 ist vorgestellt worden mit einem Lageplan, der insgesamt 15 Wohneinheiten ausweist.

Im Erdgeschoß des Bestandsgebäudes sollte zusätzlich eine gewerbliche Nutzung ermöglicht werden.

Allerdings steht in der entsprechenden Zeichnung , dass 70 qm Wohnfläche zur Verfügung stehen. Damit wären insgesamt 16 WE einkalkuliert. (Der Bürgermeister beharrt auf Nachfrage auf ursprünglich 15 WE)

Insgesamt erscheint diese neuerliche Vorlage wie ein Versuch, eine Lackfabrik als ein Geräteschuppen von OBI zu verkaufen.

Glücklicherweise war sich der Gemeinderat der Problematik bewusst und hat die Planung rigoros zusammengestrichen:

  • Die Grundfläche der 4 Häuser wurde auf 145 m2 reduziert (ursprünglich bis 200 m2)
  • Der Anbau an das Hauptaus wurde abgelehnt
  • Die Gewerbefläche im Erdgeschoss wurde ganz gestrichen

Insgesamt wurde das Konzept auf 15 Wohneinheiten beschränkt (ohne Tricks :-)).

Unabhängig davon wurde von Experten angemerkt, dass möglicherweise die Kapazität der Abwasserentsorgungleitung nicht ausreicht. Dieser Hinweis wurde vom Bürgermeister als “unproblematisch” eingestuft. Allerdings bezieht sich diese Aussage auf die Kapazität der Kläranlage. Somit ist nicht ausgeschlossen, dass die Rohrleitung erweitert werden muss.

 

Sattlberger Anwesen, die dritte …

Bebauungskonzept_09_2013Im 29. März 2011 hatte der Gemeinderat nach langen Ringen einstimmig beschlossen,  dass auf dem Sattleberger Anwesen 11 bis 12 Wohneinheiten entstehen dürfen. Dieser Beschluss mit so vielen Wohneinheiten wurde gewissermaßen mit Bauchschmerzen gefällt.

Im September letzten Jahres wurde auf Grundlage dieses Beschlusses das Bebauungskonzept (siehe links) für das Sattlberger Anwesen dem Gemeinderat vorgestellt.

Insbesondere die unklare Anzahl der vorgesehenen Wohneinheiten hat bei vielen Samerbergern massive Bedenken hervorgerufen. Die Informationspolitik der Gemeinde – es wurde immer nur gesagt, was nicht zutreffen soll – trug nicht dazu bei, diese Bedenken zu zerstreuen.Im November wurde eine Anliegerversammlung einberufen bei der auch die Kritiker zu Wort kamen.

Jetzt, ein knappes halbes Jahr später, soll erneut über das (geänderte?) Bebauungskonzept abgestimmt werden.

Bebauungskonzept_03_2014Die Fragen, die sich dabei stellen sind:

  • Was hat sich eigentlich geändert?
  • Was hat die Gemeinde getan, um die Begrenzung auf 15 (von 11 bis 12 ist schon lange nicht mehr die Rede) Wohneinheiten nachhaltig zu garantieren?
  • Was hat die Gemeinde getan, um die räumliche Ausweitung zu verhindern? (versprochen wurde z.B. die Deklaration von angrenzenden Naturschutzgebieten)
  • Sind die Fragen zur Kapazität der Zu- und Abwasserleitung geklärt?
  • Was wurde und wird getan, um die Bürger und Anwohner zu informieren – schliesslich hat der Bürgermeister im Wahlkampf vom “informierten Bürger” gesprochen?

Und die wichtigste Frage: Wer steht am Schluss dafür ein, dass das was beschlossen wurde auch umgesetzt wird?

 

Das Imperium schlägt zu(rück)

In einem strategisch bedeutenden aber wirtschaftlich unbedeutenden Land findet findet eine Revolution / Umsturz statt. Die neuen Machthaber brüskieren den bisherigen Hegemon. Das militärische Gefüge droht sich zu verschieben.

Das Imperium fackelt nicht lang – es schickt Fallschirmjäger, Truppen, Panzer, selbstverständlich ohne Kriegserklärung. Und damit das Ganze nicht gar zu sehr nach Aggression aussieht, wird eine Notsituation konstruiert – irgendwas geht immer… Die UNO versucht mit Apellen und Resolutionen diplomatischen Druck aufzubauen.

Klar, es geht um die Krim, muss aber nicht. Das Muster ist allzu bekannt und nichts Aussergewöhnliches, z.B.:

  • 1979, Afghanistan: Sowjetische Invasion
  • 1983, Grenada: USA Invasion
  • 1989, Panama: USA Invasion
  • 1991, Irak: USA 1. Invasion
  • 1995, Haiti: USA
  • 2003, Irak: USA 2. Invasion
  • … Aufzählung unvollständig

Die russische Invasion wird nicht besser durch die Vielzahl der Invasionen der Amerikaner – Unrecht bleibt Unrecht. Nur das moralische Entsetzen gegenüber den Russen ist wichtig und richtig, aber nur glaubwürdig, wenn es ungeteilt ist.

1983 hatte eine große Mehrheit im Sicherheitsrat der UN eine Resolution verabschiedet, in der die US-Invasion in Grenada als schwere Verletzung internationalen Rechts bezeichnet wurde. Reagans Antwort damal lautete:

 „Einhundert Nationen in der UN waren mit so ziemlich allem nicht einverstanden, was ihnen da, wo wir beteiligt waren, widerfuhr, und es hat mein Frühstück in keinster Weise gestört.“

So oder so ähnlich würde es Putin wohl auch sagen.

 

 

+ + + Wahlkampfticker + + + streng subjektiv

Die Ziele der Karl-Leistner-Gruppe (“Bürger für Samerberg”) – heute:

_KLL_03Langsam hat man sich daran gewöhnt, dass die Überschrift nicht zu den aufgezählten Punkten passt.

Den ersten Unterpunkt findet man so oder so ähnlich bei allen Wählergruppen und bei fast allen Kandidaten. Der Dissenz besteht nur darin, was den “Charakter” erhält und was nicht. Für den einen ist z.B. auch ein Wohnhaus mit mehr als 10 Parteien “charakteristisch”. Wichtig für diesen Punkt wäre jedoch, die Samerberger zu befragen, wie der Samerberg in Zukunft aussehen soll.

Und Aschau ist da schon einen Schritt weiter: Hier ist dem Bauausschuss eine Gruppe von Experten zugeordnet, die bei allen Entscheidungen den Laien mit fachlichen Rat zur Seite steht.

Der zweite Punkt ist sinnfrei, denn einmal hat er auch nichts damit zu tun, dass irgendetwas nachvollziehbar wird und zum anderen ist die Gemeinde sowieso bemüht die offenen Fälle zu klären.

Vision: 0-Sterne
Konzept: 0-Sterne
Glaubwürdigkeit: 0-Sterne

+ + + Wahlkampfticker + + + streng subjektiv

SPD_RohrdorfUm zu sehen, wie Wahlkampf funktionieren sollte, braucht man nicht weit zu gehen – hier die Ziele, die Partei ist egal, aus Rohrdorf!

Wie angenehm klar und inhaltlich rund! Jeder Punkt eine überprüfbare Aussage! Es liest sich wie ein Staccato der Vernunft und des Gestaltungswillens! Jeder, der schon einmal so etwas Ähnliches aufgestellt hat, weiss, wieviel Arbeit, Abstimmung und Feilen am Ausdruck dahinter steht. Diese Leute haben die Mühen nicht gescheut – Respekt!

Vision: 3-Sterne
Konzept: 5-Sterne
Glaubwürdigkeit: 5-Sterne

Diese Liste ist am Samerberg nicht vertreten. Die gewagte These: Am Samerberg gibt es eigentlich nur eine Partei – die CSU, Georg Huber kommt von der CSU und Karl Leistner stand bei der vorhergehenden Kommunalwahl auf dem letzten Listenplatz der CSU. Strenggenommen gibt es parteipolitisch nur die Wahl zwischen dem Original und den Kopien.

+ + + Wahlkampfticker + + + streng subjektiv

Die Ziele der Karl-Leistner-Gruppe (“Bürger für Samerberg”) – heute:

_KLL_02

Hier passt wieder die Überschrift nicht zu den drei Unterpunkten, denn da geht es erst mal nur ums Wasser.

Der erste Unterpunkt mit der Privatisierung ist ohne Belang, da diese sowieso nicht ansteht, der zweite klingt nach einem Schuss ins Blaue und der dritte soll wohl der eigentliche Inhalt sein.

Nun, die Ressource Wasser kann nur nachhaltig genutzt werden, wenn am Samerberg begonnen wird zu sparen, etwa durch progressive Tarife und Regenwassernutzung. Aber diese Wahrheit wollte man dem potentiellen Wähler wohl nicht zumuten. Soviel zum Thema Ehrlichkeit.

Abgesehen davon kann man sicherlich Umweltengagement für sich in Anspruch nehmen und sicherlich kann man auch einer Vorliebe für spritfressende Pickup-Trucks fröhnen (Karl Leistner) nur beides zusammen ist eben nicht besonders glaubwürdig.

Vision: 1-Sterne
Konzept: 0-Sterne
Glaubwürdigkeit: 0-Sterne

+ + + Wahlkampfticker + + + streng subjektiv

Angeblich spielen bei der Wahl zum Gemeinderat die Ziele der Kandidaten keine Rolle – gewählt werden “Personen”. Dennoch sind die Ziele das Wichtigste im Wahlkampf und natürlich die Glaubwürdigkeit, mit der sie vertreten werden.

Die Ziele der Karl-Leistner-Gruppe (“Bürger für Samerberg”) findet man nicht auf der Homepage.  Anfangs des Jahres war noch davon die Rede, dass man die “Bevormundung”(!) beenden will, und man denke jetzt schon an das Jahr 2030. Davon ist dann auf den Flyern nichts mehr zu sehen. Hier der 1. Punkt:

_KLL_01Wichtiges Thema, nur passt die Überschrift nicht zu den Unterpunkten, die haben nichts mit einer Diskussionskultur zu tun. Die Forderung, die im ersten Absatz aufgestellt wird, geht am Kern vorbei: Eine eigene Zeitung tendiert immer zu einer Art Hofberichtserstattung, wenn, so wie jetzt, der Amtsinhaber Herausgeber und der Chefredakteur in Personalunion ist.

Bad Endorf ist da schon einen Schritt weiter. Die Beiträge deren Zeitung werden ausschliesslich von den Bürgern gestaltet. Redigiert wird nur, wenn die Verfassung gefährdet ist – Respekt!

Also mit der Veröffentlichung der Beschlüsse und der Tagesordnungspunkte ist es nicht getan. Zu einer wirklichen Diskussionskultur gehört auch der Prozess der Meinungsbildung und die geeigneten Plattformen, da sieht es ziemlich düster aus – sowohl in diesem Zielpunkt als auch in der rauhen Wirklichkeit.

Bleibt der letzte Punkt: Nichtöffentliche Sitzungen sind in der Geschäftsordnung der Gemeinde im §16 geregelt – Personalangelegenheiten, Rechtsgeschäfte, Sozial- oder Steuergeheimnisse. Da muss der Gemeinderat darauf achten, dass diese Regeln eingehalten werden.

Fazit: Viel Wind um nichts – oder ist das der “frische Wind”?

Abgesehen davon hat die Karl-Leistner-Gruppe bereits mit dem Anwalt gedroht, um freie Meinungsäusserungen zu unterbinden und hat wohl auch eine Facebook-Seite löschen lassen, deren Inhalt nicht genehm war. So viel zum Thema Glaubwürdigkeit – man darf gespannt sein, was als Nächstes kommt.

 

Vision: 0-Sterne
Konzept: 1-Sterne
Glaubwürdigkeit: 0-Sterne

Gentechnik – die aktuelle Debatte

gentechnik“Es wächst hienieden Brot genug für alle Menschenkinder” dichtete vor ziemlich genau 170 Jahren ein überaus selbstbewusster Düsseldorfer.
Nur weil die Weltbevölkerung sich inzwischen mehr als vervierfacht hat, muss nach der grünen Revolution eine neue Revolution erfolgen: Die Gentechnik soll es richten!
Der Widerstand gegen die grüne Gentechnik speist sich im Westenlichen aus vier Quellen:

  • Die bäuerlich geprägten Landwirte, die noch in Generationszeiträumen denken und wissen, dass ihre Arbeits- und Lebensweise bedroht ist.
  • Das urbane alternativ bis grüne Milieu, das generell die gesellschaftlichen und gesundheitlichen Risiken dieser Technik betont.
  • Die bis im bürgerlichen Lager verortete linken bis liberalen Gegner monopolartiger Strukturen.
  • Und eine religiös geprägte Minderheit, die verhindern möchte, dass dieser letzte und empfindlichste Bereich der Schöpfung zum Spielball menschlicher Eitelkeiten wird.

(Das so genannte freiheitlich-liberale oder eher wirtschaftsliberale Lager ist meist aus den entgegengesetzten Gründen für die grüne Gentechnik)

Die Verheissung der grünen Gentechnik sind jedoch großartig – mindestens soll der Hunger besiegt und der Verbrauch an Insektiziden und Pestiziden verringert werden – und sie sind leider ebenso offenkundig falsch. Denn

  1. Wird nicht der Hunger durch irgendeine Technik besiegt – das wusste schon Heinrich Heine vor 170 Jahren, denn dem obigen Zitat gingen die Zeilen voran: “Verfressen soll nicht der faule Bauch, was fleißige Hände erwarben.” Genau dies ist bis heute das eigentliche Problem. Und
  2. hat das Beispiel Brasilien gezeigt, dass der Rückgang von Pestiziden  nur von kurzer Dauer ist, da die Resistenz sehr schnell zunimmt.

Aber abgesehen davon, ist das Kernproblem sicherlich nicht, dass sich diese Pflanzen ungehindert ausbreiten könnten – daran hat kein Lebensmittelkonzern Interesse, im Gegenteil.
Das Kernproblem ist sicherlich auch nicht, dass die Produkte direkt gesundheitsschädlich sind, obwohl es Studien gibt, die das Gegenteil belegen – Nein, das Kernproblem ist, dass gewissenlose Marketingfuzzies, die frisch von der Uni kommen, deren Interesse an Biologie sich auf den Akt menschlicher Fortpflanzung beschränken und die sich mit Produktdesign die ersten Sporen verdienen wollen, festlegen, dass das Gen eines südamerikanischen Pfeilgiftfrosches zur körpereigenen Antibiotikumproduktion in eine Getreidepflanze eingebaut wird. Dieses Produkt wird von einer unzureichend ausgestatteten Lebensmittelbehörde freigegeben und ein paar Jahre später wundern sich die Ärzte, dass das letzte Antibiotikum in der Klinik versagt.

Der Großteil der Bevölkerung ist aus guten Gründen gegen grüne Gentechnik, die Bundesregierung hatte diese Haltung im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Dennoch hat sie sich bei der entscheidenden Abstimmung in Brüssel in dieser Frage enthalten und damit zugestimmt. Alles was dazu zu sagen ist: Geständnis von Frau Drobinski-Weiss – oder etwas unterhaltsamer in der Heute-Show.

Frau Daniela Ludwig (CSU) geht Thema “Versagen der Regierung” sehr viel offensiver an – und zwar mit zwei Aussagen:

  1. Deutschland wäre das einzige Land gewesen, dass in Brüssel dagegen gestimmt hätte. Das ist falsch: Am 11. Februar haben 19 Staaten gegen die Genmais-Zulassung gestimmt. Trotz dieser Mehrheit fehlten noch 50 Stimmen – Deutschland hätte 29 beitragen können und damit die anderen Enthalter (Belgien, Tschechien und Portugal) umstimmen können.
  2. Ist Bayern das einzige Bundesland, das gentechnikfrei ist. Auch das ist falsch: Richtig ist, dass jetzt (kurz vor der Kommunalwahl) nach langen Zögern Bayern dem “Europäischen Netzwerk gentechnikfreier Regionen” beigetreten ist. Andere Bundesländer sind da schon lange dabei:
  •     2003: Beitritt von Schleswig-Holstein (SPD regiert)
  •     2005: Austritt von Schleswig-Holstein (CDU regiert)
  •     17. Juni 2010: Beitritt von Thüringen
  •     10. Oktober 2011: Beitritt von Nordrhein-Westfalen
  •     31. Juli 2012: Erneuter Beitritt von Schleswig-Holstein (CDU regiert)
  •     11. Oktober 2012: Beitritt von Baden-Württemberg
  •     22. Mai 2013: Beitritt vom Saarland und Rheinland-Pfalz

Welche der beiden Politikerinnen (Drobinski-Weiss oder Ludwig) hat wohl bessere Karrierechancen?

 

+ + + Wahlkampfticker + + + streng subjektiv

Buerger_fuer_Samerberg_neu1Eine Facebook-Seite ist mitten im Wahlkampf gelöscht worden. Das ist generell ein sehr seltener Vorgang.

Auf dieser Seite wurde u.a. über die Karl-Leistner-Wählergruppe debattiert. Der Erinnerungn nach waren es die folgenden Punkte:

  • Es wurde darauf hingewiesen, dass die ursprüngliche Wählergruppe “Bürger für Samerberg” mit ihrem Engagement für eine offene Debattenkultur, nicht mehr existiert. Keiner der Initiatoren ist noch dabei.
  • Dem Bürgermeisterkandidat Simon Hager wurde gesagt, dass es ziemlich frech ist, sich selbst auf den Plakaten als Bürgermeister zu bezeichnen, obwohl der Wähler noch gar nicht entschieden hat.
  • In einem Beitrag wurde beklagt, dass die Karl-Leistner-Gruppe die freie Meinungsäusserung mit Anwaltsdrohung verhindern wollte.
  • Es gab einen Hinweis darauf, dass ein vorgebliches Umweltengagement und das Fahren von Monster-Pickups nicht glaubwürdig sind.
  • Man machte sich lustig darüber, dass die Karl-Leistner-Gruppe mit dem angekündigten Fackelumzug zu “Umwelt-Brennpunkten”, die Grenzen des guten Geschmacks auslotet.
  • Es wurde ein Artikel aus der Süddeutschen verlinkt und jemand meinte, der Protagonist ist ein “überforderter Zyniker” – was für jeden offensichtlich sein dürfte…
  • Dann fand jemand heraus, dass Karl Leistner in den Wahlkampf-Flyern seinen Titel “Dipl.-Ing. (FH)” nicht korrekt angibt – eigentlich eine Kleinigkeit.

Ja und nun kann man raten, wer bei Facebook so etwas wie “Persönlichkeitsrechte” geltend gemacht hat, um diese doch recht harmlosen Äusserungen zu beseitigen. Ähnliches ist noch gar nicht so lange her:

Die Seite ist im Übrigen wieder neu erstellt worden.